Ingo Jäger (1974)
In Dankbarkeit an meine Frau
Freund Adebar
Auf dem Scheunendach ist ein Nest
hoch gebaut, geräumig und fest
stolz klappert Adebar voll Freud'
ein Solo zu manch' Künstler's Neid
und freudig stimmt Frau Storch mit ein
es lässt sich halt besser klappern zu Zwei'n
weit hinaus zieht sich ihr Fanggebiet
vom Waldrand bis zum Haus am Ried
schöne Landschaft mit Wäldern und Seen
hier kann man ungestört Junge zieh'n
Frau Storch erhebt sich zur Nahrungssuche
wendet im Bogen hinter der Buche
überfliegt zum Grusse noch einmal das Nest
hin zum See, wo sich's gut ernten lässt
reich gedeckt ist der Frühstückstisch
mit Fröschen, Kriechgetier und Fisch
unersättlich ist der Jungvögel Gier
nach Allem, was fressbar ist im Revier
im Nest macht man die Hälse lang
wartet auf der Mutter frischen Fang
schon setzt die Störchin zur Landung an
spreizt Herr Adebar seine Flügel sodann
begrüsst die Gattin mit tollen Gebärden
auf dass die Jungen bald flügge werden
eines Tages sind die Alten ganz aufgeregt
eines der Jungen hat die Schwingen bewegt
jetzt sind es nur Tage, bis es geschieht
und die Familienschar nach Süden zieht
vielleicht nächstes Jahr sehn' wir uns wieder
klappern die Störche auf's neu ihre Lieder
so schön, wundervoll lieblich und klar
kann es nur Freund Adebar!
Ingolf Jäger (1973)
Der Winter hat sein eig'nes Lied
Wenn mit Eis, Frost und viel Schnee
der Winter Einzug hält - Juchhe
bei Flockenwirbel und Eiskristall
herrscht grosse Freude überall
Refr.
Der Winter hat sein eig'nes Lied
Kommt stimmt an, singt Alle mit!
Die Rodelstrecke ist fest vereist
Schlitten auf Schlitten hinunter gleist
Bahn frei! - Ein Jeder kann es sehn
Auf dem Schlitten bin ich Kapitän
Am Hang viel Trubel, Jung und Alt
versuchen erste Schritte bald
ganz Unten auf dem flachen Stück
probiert selbst Opa noch sein Glück
Daneben auf dem blanken Eis
Schlittschuh' ziehen Kreis auf Kreis
Figuren kunstvoll dargebracht
mit der Spirale zu End' gemacht
Beginnt die Schussfahrt mit Elan
in's Tal hinab auf steiler Bahn
Slalom, Sprung - mit Wagemut
schlägt das Herz, pulsiert das Blut
Von der Baude hoch am Hang
erklingt Musik, froh der Gesang
wie schön ist's doch zur Winterszeit
wenn Kälte klirrt, es zünftig schneit
Der Winter hat sein eig'nes Lied
Ingolf Jäger (1976)
Ein Alptraum
Ein Alptraum hielt mich Nachts in Schach
schweissgebadet werd' ich wach
schnell die Gedanken zurückgedreht
jetzt weiss ich wieder, worum es geht
eine Karte vor mir, mit Zeichen
Raketen auf Rampen - Leichen
Menschen mit Messern geh'n aufeinander los
kämpfen verbissen, Stoss auf Stoss
vor mir sah ich den Menschen als Tier
nach Macht und Geld strebt seine Gier
es fallen Schüsse, Menschen wanken
wie komme ich bloss auf solche Gedanken
weiter wollt' ich schlafen, Nichts war drin
nach dem Grund des Daseins war mein Sinn
sollten nicht Menschen die Natur ergründen
den wahren Gehalt des Lebens finden
die Schönheit der Welt auf's neu begreifen
statt zu Zanken und zu Keifen?
Sollten nicht Menschen ihr Wissen erweitern
sich gegenseitig auf's Neue erheitern
Ich kann's nicht begreifen, wie Menschen töten
und hinter der Biedermannsmaske flöten:
Wir wollen Frieden!
Nein!
Wir brauchen den Frieden auf dieser Erde
damit es kein Inferno werde!
Ich sage Euch:
Schaut nach Vorne, bevor es zu spät
bevor auf der Erde gar nichts mehr geht!
© I. Jäger, BI
Ingolf Jäger (1973)
Das Rad im Teich
Der Dorfteich ist nur noch ein Tümpel
Mittendrine Unrat und Gerümpel
ein Fahrrad, verrottet und verkommen
wie hat es diesen Weg genommen?
Vielleicht war der Besitzer zu bequem
es neu zu machen, wieder schön
dacht' er - will mich nicht mehr schinden
im Wasser wird es Niemand finden
kann es sein, dass er Radfahren schmäht
und deswegen vor dem Herzinfarkt steht?
oder wollt' er, wer soll das verstehn
mit dem Rade Baden geh'n
oder hängt der fehlende Lenker zur Zier
Daheim an der Wand als Souvenir?
vielleicht fehlt dem armen Tropf
der Begriff des Schrottes im Kopf
aus welchem Grunde auch immer
eine feine Art war es nimmer
den Teich zum Ruheplatz zu machen
und Hinterher noch hämisch Lachen
wenn der Teich von der Krankheit kuriert
man dem Besitzer zum Saubermann gratuliert!
Ingolf Jäger (1971)
Die Ebertswiese
Das Dickicht der Bäume tritt zurück
jetzt ist es noch ein kleines Stück
Versteckt und doch am Kammweg gelegen
kommt man zur Ebertswiese auf einsamen Wegen
Hier gibt es Flecken, noch völlig unberührt
wo nur der Natur die Ehre gebührt
Wanderer, machst du hier eine Rast
dann geniesse die Einsamkeit ohne Hast
verweile an diesem Kleinod im Wald
Ruhe und Stille berühren Dich bald
Die klare Bergluft, das Grün der Wiesen
lassen seltene Pflanzen spriessen
Springen in tollen Sätzen die Hasen
durch den Wald auf den satten Rasen
Die Fluten des Bergsees ruhen still
besänftigend stillen sie mein Gefühl
Ringsum Felsen in einem Stück
werfen des Wanderers Echo zurück
Weiter führt der Weg zum Spitterfall
der Vögel Gezwitscher Überall
Da tritt ein Hirsch aus dem Unterholz
bleibt plötzlich stehen, wittert stolz
Schreitet weiter auf seinem Pfad
als ob er nichts zu fürchten hat
Schnell fliesst der Wildbach zum Wasserfall
rauscht spritzend und gurgelnd zu Tal
So ist es inmitten des Thüringer Wald
Schönheit in Naturgestalt.
Ingolf Jäger (1976)
Die Rühler Kirmes
Der schöne Brauch des Erntedankfest
vielen Menschen das Herz schlagen lässt
Fleiss, Geschick und viel freie Zeit
sind nötig, dann ist es soweit
ein Festumzug mit Glanz und Pracht
haben die Menschen als Höhepunkt gedacht
Tausende Besucher säumen die Strassen
wollen die Plätze gar nicht verlassen
plötzlich Gedränge, Musik erklingt
der Tambour kräftig den Taktstock schwingt
Kirmesburschen in traditioneller Tracht
Mädchen mit Erntekronen, kunstvoll gemacht
farbenfroh wirkt jeder Trachtenverein
Tanzgruppen schwingen froh das Bein
der Rühler Schmied den Hammer schwingt
freudig und hell der Amboss klingt
Darstellungen zur Geschichte im Rühler Land
Erzeugnisse der Region, weltbekannt
farbenfrohe Bänder, von Kindern getragen
Pferdegespanne, geschmückte Wagen
beschliessen das bunte Allerlei
Aber - noch ist es nicht vorbei
Auf dem Festplatz Buden und Stände
das Karussell dreht sich ohne Ende
die Kapelle spielt, man tanzt und lacht
bis in die liebe lange Nacht
der Rühler Kirmes uralte Sitte
den Frohsinn zu zeigen in der Mitte.
Ingolf Jäger (1974)
Wo sind die Tugenden
Wo sind die Tugenden alter Zeit
Ruhe, Genüge und Gelassenheit
Heute sind sie doch schon selten
zwischen ihnen und uns liegen Welten
Luft und Wasser so reinlich klar
als Industrie und Auto noch nicht war
Fernsehen und Telefon noch keiner kannte
eine Reise Erlebnis war im Lande
der Abend für die Familie gewesen
man die Strasse fegte mit dem Besen
Fahrrad und Wagen auf den Wegen
Pferdeabgase waren ein Segen
selbst Kleinigkeiten hatten Wert
und Gemütlichkeit wurde geehrt
nur der Vogel war der Lüfte Herr
Wetter machte der Bauernregel Ehr'
mit rückwirkenden Blick auf die alte Zeit
haben Menschen Fortschritt nicht bereut
doch wo sind die alten Tugenden hin
macht viel Stress den besseren Sinn?
Ingolf Jäger (1972)
Allein im Grund
Ich seh' dich stehen
allein im Grund
vergessen von aller Welt
dabei ist es, nicht nur
dein Alter
was mir so gefällt
mich beeindruckt
dein Umfang
in voller Positur
und nicht zuletzt
dein Haupt
in herbstlicher Flur
du mein Schatz
bist stumm
seit ewiger Zeit
doch ich sehe
die Sorgenfalten
an deinem Kleid
fünf Männer braucht es
deinen Laib
zu umfassen
kannst dich stets
in deiner Gestalt
überall sehen lassen
deine Krone ist mächtig
und wirft
einen grossen Schatten
Ich habe verstanden:
nur Friede
kann Leben gestatten
Ich wünsche dir
bei meiner Liebe
zum Wald
du sollst wachsen
Hundertjährige
in Eichengestalt
Ingolf Jäger (1973)
Wenn die Folklore das Zepter schwingt
In ungeraden Jahren strahlt unsere Stadt
das aus, was sie schon immer hat
jugendliche Frische im alten Revier
geschmückte Häuser sind Sinnbild dafür
gut behütet ist hier lange Tradition
seit hunderten von Jahren schon
Schmalkalden hat Gäste aus aller Welt
denen das Volksfest besonders gefällt
auf Bühnen, Plätzen im dichten Gedränge
lauschen Menschen der Instrumente Klänge
wenn die Folklore das Zepter schwingt
der Innenstadt buntes Treiben bringt
wird gesungen, getanzt und musiziert
an Ständen gezeigt, was inspiriert
vom Altmarkt bis zum Festplatz hin
bestimmt Fröhlichkeit der Leute Sinn
lang wird geschunkelt, gescherzt und gelacht
vom frühen Morgen bis spät in die Nacht
Buden reihen sich wie am Band
Handwerk vorgeführt von Künstlerhand
wer zählt die Menschen, die Hierher kommen
für Freude und Frohsinn sich Zeit genommen
das Schloss und die ehrwürdige Stadt
ist eine Kulisse, die es in sich hat
und ist das Fest nach Tagen vorbei
heisst es bald schon wieder auf's Neu
auf nach Schmalkalden der schönen Stadt
die für unser Volksgut eine Heimat hat!
Ingolf Jäger (1976)
Das Zünglein an der Waage
Die Zunge ist ein wichtiges Organ
mit der man nicht nur schmecken kann
sie ist uns Hilfe auch beim Schlucken
auch beim nicht sehr schönen Spucken
mit ihr kann man genüsslich schlecken
sie nach anderen Leuten strecken
mit der Zunge kann man grollen
und andrerseits auch schmollen
eine lose Zunge aus ihrer Sicht
manchmal auch die Wahrheit spricht
man kann darauf beissen und dabei fühlen
wie Gewissen und Wut sich kühlen
doch Etwas reicht ihr auch zur Klage
sie ist oft Zünglein an der Waage
mit spitzer Zunge Wort gesprochen
hat schon oft den Stab gebrochen
eine böse Zunge, schnell gewetzt
hat schon Manchen zu Tode gehetzt
wer dies tut, sollte ohne Grauen
die Zunge strecken, in den Spiegel schauen
drum sollt' ein Entschluss uns reifen:
neigt sich das Zünglein an der Waage
zum Guten -
hat's mehr Freud, als Plage!
Ingolf Jäger (1981)
Sein Schwarm
Eitel steht er vor dem Spiegel
streicht die Haare, führt den Striegel
betrachtet sich von jeder Seite
Ach was für eine Augenweide
Brust heraus, hinein den Bauch
vom Parfum den ganzen Hauch
Blütenduft um Arm und Kragen
rasch eine Creme aufgetragen
die Stirn gerunzelt, Mund gespitzt
so ist es gut, die Pose sitzt
noch etwas Rouge in das Gesicht
gesunde Farbe schadet nicht
noch einmal elegant gedreht
Arme breit - Kommt her und seht
und bald ist es schon soweit
eilt er zur abgemachten Zeit
zum Treffpunkt hin am Wandelgang
wartet zwei volle Stunden lang
beobachtet sich in der blanken Scheibe
rupft Blumen Blüten aus dem Leibe
umsonst hat er sich abgehetzt
sein neuer Schwarm hat ihn versetzt!
Ingolf Jäger (1981)
Ein Lächeln
Ein Lächeln bringt oft Licht hinein
in des grauen Alltags Schein
Ein Hauch von Charme hat es sehr oft
bringt Menschen, was sie lang erhofft
Lachen kann auch Heilung sein
befreit uns von des Grames Pein
Ein Lächeln kann sagen: Danke schön!
bedeutet auch: Du sollst nicht geh'n
wie oft geschehen, kann auch Lachen
Wärme in vielen Herzen entfachen
kommt ein freundliches Lächeln zurück
ist es vielfach Start in's Glück
und oft kann and'rer Leute Lachen
einem selbst etwas Freude machen
ein Lächeln sagt meistens Gutes aus
ist für Andere oft ein Blumenstrauss
wer nicht Lachen, weder Frohsinn kennt
hat ein Leben lang gepennt
und wer über eig'ne Fehler lacht
hat fast Alles wieder gut gemacht!
Redewendungen
Ingolf Jäger
Banken
Banken können durchaus eine nützliche Funktion in der
Gesellschaft ausüben.
Sie dürfen nur keine Null als Chef haben.
Kunst
Die Kunst in der heutigen Zeit ist so schief, dass diese bald
zum Erliegen kommt!
Schrift
In der deutschen Schrift ist die Grosschreibung so sinnvoll,
dass man nur noch grosse Buchstaben verwenden sollte.
Menschen
Menschen kennen das Haus des Nachbarn, wissen aber nicht,
wer darin wohnt.
Bewegung
Die 68er haben aus der Gesellschaft eine 69er gemacht und
Überall ihre Spuren hinterlassen.
Busch
Hinter einem grünen Busch sitzt oft der Teufel.
Nasen
Menschen, welche ihre Nase in fremde Angelegenheiten stecken,
werden oft an dieser erkannt.
Vorfahren
Viele Vorfahren von Bekannten sind Nachfahren von
Garamanten.
Lacher
Manche Lacher müssen aufpassen, dass sie sich beim Luftholen
nicht verschlucken!