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                        Das Biomärchen


Die meisten Deutschen kaufen BIO. Oder wollen es endlich mal tun. Das Image der natürlichen Kost ist makellos. Zu Unrecht.



von Marc_Schuermann


Das Gute in der Welt trägt einen Stempel. Er ist sechseckig und grün und trägt die Worte EU und Bio. Um den Stempel benutzen zu dürfen, darf der Hersteller eines Nahrungsmittels keine Gentechnik einsetzen, keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel, keine Antibiotika; Tiere müssen artgerecht gehalten und mit ökologischem Futter versorgt werden. Gut 32 000 Produkte tragen inzwischen dieses Siegel. Zum Beispiel: Bioreis, Bioäpfel, Biobabybrei, Biofertigpedigree, Biokaffeesahne, Biocornflakes, Bioschokoriegel, Biohimbeerbrausekugeln, Biomilch, Biobrokkoli. Bio braucht viel Zeit, Pflege und Arbeit, viel mehr als Nichtbio, das ist vielen Deutschen was wert. Nur jeder fünfte Deutsche kauft niemals Biokost, obwohl diese schon mal doppelt so teuer sein kann, wie herkömmliche Lebensmittel. Der Biomarkt ist im vergangenen Jahr um 15 Prozent gewachsen, in diesem Jahr kommen voraussichtlich noch mal 15 Prozent dazu. Macht derzeit immer noch einen kleinen Marktanteil von 2,5 Prozent, aber die Zeiten sind vorbei, als bloss ein paar Langhaarige samstags mit dem Hollandrad zum Ökohof quietschten. Heute steht alle paar Strassenecken ein Biosupermarkt, und die grossen Ketten wie Lidl, Edeka, Plus oder Aldi haben Bioregale eingerichtet.

Das Geschäft läuft deswegen so prima, weil das Image von Bio so makellos ist wie das Image einer guten Fee. Würde der amerikanische Präsident GeorgeW. Bio heissen, man würde ihm jeden Krieg verzeihen. Bio, das heisst: Gut zu den Blumen, dem Boden, den Tieren, zu Leib und zu Leben. Auf jeden Fall besser als die sogenannte konventionelle Landwirtschaft, also: die Maschinen, die Massentierhaltung, die BSE-Züchter.


Mythos 1: Bio ist gesünder 


Sehr viele Wissenschaftler haben im Lauf der Jahre sehr viele Versuche angestellt, doch keiner hat einen Beweis erbracht, dass Lebensmittel von Biohöfen für unsere Körper besser wären, als Lebensmittel ohne Biosiegel. Energie, Nährstoffe, Vitamine: auf beiden Seiten der gleiche Inhalt. Zwar kann ein Apfel reichhaltiger sein als der andere, aber das ist keine Frage von Bio, sondern eine der Sorte, des Wetters und der Gegend, in der die Ãpfel gewachsen sind. Ebenso ist es dem Fleisch wurst, ob es aus einem Bioschwein kommt. Dass ein Schwein sich vergnügt im Schlamm suhlen kann, bedeutet nicht zwangsläufig, dass sein Fleisch besser gerät. Und was das Aroma angeht: Regelmässige Käufer von Biokost schwören, dass ihr Essen einfach besser schmeckt, aber wenn Geschmacksprüfer in wissenschaftlichen Blindversuchen darüber urteilen, schneidet Bio mal besser ab und mal schlechter als herkömmliche Lebensmittel.

Auch wenn ein Ökosiegel so körperbewusst aussieht: Biosüssigkeiten, etwa Schokolade oder Fruchtgummi, machen genauso dick wie Milka und Haribo. Aber die Leute denken: Oh geil, jetzt kann ich das alles endlich essen, sagt Peter Stehle, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.  Manche verdrücken auch plötzlich fünf Biowürste statt einer oder gar keiner. Als ob Bio zwangsläufig heissen würde: Gesunder.«

Um herauszufinden, wie gesund Bio denn wirklich ist, könnte man statt der Chemie der Lebensmittel auch untersuchen, wie fit Menschen, die sich ausschliesslich von Biokost ernähren, gegenäber denen sind, die davon nichts essen. So eine Untersuchung ist allerdings unmöglich. Man müsste viele hundert Testpersonen beleuchten, man müsste das über Jahre tun, es würde Millionen kosten und doch nichts bringen: Was, wenn ein Bioverächter einmal die Woche joggen geht, ein Bioesser aber nicht? Oder der eine schläft mehr als der andere? Oder hat mehr Glück in der Liebe? Schon könnte Niemand mehr feststellen, welche Wirkung welche Ursache hat und welche Rolle die Biokost dabei spielt. Weil Bio heute nur noch selten ein Lebensstil ist, sondern eher eine Art Trendmarke, stellt kaum ein Kunde seine Ernährung um oder fängt an zu meditieren, sondern er legt halt auch mal ein Biomüsli in den Einkaufswagen. Man könnte meinen, darin sei ein geheimer Extrakt verborgen, der alle Krankheiten wegzaubert.

Immerhin, ein Punkt für Bio: Die Ernten aus biologischem Anbau enthalten deutlich weniger Rückstände von chemischen Pflanzenschutzmitteln. Auf Bio dürfen keine gesprüht werden. Allerdings sind auch für das Gemüse aus konventionellem Anbau so niedrige Grenzwerte vorgeschrieben, dass von den üblichen Chemieresten keiner krank wird. Die Biobranche betont ausserdem, dass ihre Produkte weniger mit Nitrat belastet seien, einem Pflanzennährstoff, der möglicherweise zu Krebs führen kann. Die »Stiftung Warentest« hat allerdings keine Unterschiede im Nitratgehalt festgestellt. In zwei Biokarottensäften fand sie sogar mehr Nitrat als in herkömmlichen Säften.


Mythos 2: Bio ist umweltfreundlicher 


Im Prinzip ist das richtig. Die meisten Untersuchungen finden auf Bioäckern mehr Insekten und Kräuter, im Boden weniger Phosphat, im Grundwasser weniger künstlichen Dung. Und Biobauern verzichten auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Dafür nehmen die Bauern in Kauf, dass ihre Erträge dünner ausfallen “ im Schnitt um ein Fünftel “ und sie mehr wegschmeissen müssen, als konventionelle Bauern. Das heist aber nicht, dass bei Bio gar nichts gespritzt wird. Um die Schädlinge und Pflanzenkrankheiten loszuwerden, greifen viele Biobauern auf ein althergebrachtes Pflanzenschutzmittel zurück: Kupfer. Dieses Schwermetall versprühen sie auf Ãpfel, Kartoffeln, Weinreben, und das in Fülle. Im »Alten Land« an der Elbe bei Hamburg zum Beispiel, sagt der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer, werde mehr Kupfer versprüht, als ein konventioneller Apfelbauer insgesamt an Mitteln spritzt. Kupfer tötet das Getier im Boden und wird nicht abgebaut. Andere Bauern setzen Tiere gegen Schädlinge ein, etwa Schlupfwespen aus Moldawien und Marienkäfer aus Asien, die selbst zu Schädlingen werden, indem sie Schmetterlinge angreifen oder heimische Artgenossen vertreiben.

Doch auch, wenn eine Tomate so unberührt gewachsen ist, als käme sie aus dem eigenen Garten, gibt es das Problem, dass sie das nicht tut. Sobald die Lebensmittel ihre Höfe verlassen, werden sie kreuz und quer durch die Lande transportiert, Bioprodukte genauso wie konventionelle. Nicht nur von Bayern nach Norddeutschland, sondern auch von Ãgypten, Marokko, Costa Rica nach Bayern, weil in solchen Ländern die Früchte früher im Jahr reif sind. Das belastet die Umwelt mit Abgasen, es kostet Sprit, und weil obendrein manche Anbaugebiete stark bewässert werden müssen, etwa in Südspanien oder in Israel, fällt die Ökobilanz mancher Bioprodukte ziemlich schlecht aus. Theoretisch müsste man einmal in der Woche bei einer Hand voll verschiedener Höfe einkaufen, die nur anbauen, was sich für ihr Klima eignet, aber wie soll das ohne Auto gehen? Wer also abwechslungsreich essen will, aber nur Bio, der nutzt und schadet der Umwelt zwangslufig gleichzeitig.


Mythos 3: Bio ist Artgerechter 


Die Tiere können uns nicht erklären, unter welchen Umständen sie am liebsten leben. Da man davon ausgehen kann, dass sie sich ungern auf engem Raum einsperren lassen, ist ihnen in der Regel der Biohof sicher lieber: Dort haben sie mehr Platz und Auslauf, obendrein gutes Wasser, Licht und frische Luft. Dass solche Geschenke aber nicht automatisch erwünscht sind, zeigt das Beispiel der Hühner. Wenn mehr als etwa 20 Hennen übers Freiland laufen, zerfasert die Hackordnung, eine Henne kennt die andere nicht mehr, die Tiere stehen unter Stress und picken sich gegenseitig tot. Man darf sich einen Biohof nicht vorstellen wie im Heimatfilm: »Dass die Bäuerin im Baumwollkleid herumläuft und die Kinder mit den Schweinen spielen, diese heile Welt gibt es nicht mehr. Das sind knallhart arbeitende Wirtschaftsunternehmen, sagt Bernhard Tauscher, der Direktor der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel. Tauscher weiss von Biofarmen mit weit über 100 000 Hühnern: Auch Bio betreibt Massentierhaltung. Wie bio Bio ist, hängt daher vor allem davon ab, was der Bauer draus macht. Er kann seine Hennen in kleine Gruppen aufteilen, das kostet ihn allerdings mehr Arbeit, das macht das Ei teurer, und am Ende kann es ihm passieren, dass es keiner mehr kauft. Einige Bauern stellen ihren Hof aber nur deswegen von konventionell auf Bio um, weil sie für Biowaren mehr verlangen können, und nicht aus Liebe zur Natur.

Nur ein sehr sorgsamer Bauer bekommt auch die Sache mit den Naturgiften in den Griff. Anders als etwa Rinderkot taugt Hühnermist nicht als Dung, sondern nur als Krankheitsüberträger. Im Freiland haben es die Erreger viel leichter als in Legebatterien, von Kot zu Huhn und von Kot zu Taube zu Mensch zu springen. Schweine und Kühe sind auf Biohöfen ebenso oft krank wie auf konventionellen Höfen, erklärten Experten auf einer Ökolandbautagung im Frühjahr 2005.


Mythos 4: Wenn Jeder Bio kaufen würde, wäre  Alles gut! 

 


        
Ganz im Gegenteil: Der Erfolg ist Bios Selbstmord. Wäre es noch so wie früher, dass nur ein paar Randkunden im Reformhaus einkaufen, also solche Kunden, die Vollkornpizza wirklich lecker finden: kein Problem. Aber jetzt ist Biokost eine Massenware, und das ist ein Widerspruch. Es ist ungefähr so wie mit einer Band, die keine gute Musik mehr hinkriegt, sobald sie jeder kennt. Die Nachfrage nach Biokost ist in Deutschland,  nachdem die grossen Supermarktketten wie Aldi und Lidl die Nische entdeckt haben,  jetzt schon so gross, dass die deutschen Biobauern mit dem Produzieren nicht nachkommen. Das hat vier Folgen. Erstens: Die Grossbetriebe übernehmen den Markt und verdrängen den kleinen Hof vom Nachbardorf. Diese Grossbetriebe sind daran interessiert, dass ihre Tiere so viel leisten, wie das Biosiegel der EU gerade noch erlaubt; manche Biokühe geben schon mehr Milch als Kühe auf herkömmlichen Höfen. Am Ende straffen die Bauern, gehetzt vom Preisdruck der Konkurrenz, ihre Produktion so zusammen, dass man sie fast mit konventioneller Landwirtschaft verwechseln könnte.

Zweitens: Die Supermärkte kaufen Biokost aus dem Ausland. In Australien liegt weltweit die grösste Biofläche, zwölf Millionen Hektar, Deutschland (Platz sieben der Welt) hat nur 800 000 Hektar. Exotische Früchte wie Bananen oder Saisonfrüchte wie Erdbeeren kommen sowieso oft von weit her. Eine Schale Beeren mit viel Motorleistung über die Meere zu schiffen, zieht die Aus-Liebe-zur-Natur-Idee von Biokost ins Lächerliche.

Drittens wird es verführerischer zu betrügen, je begehrter die Ware ist. Ob ein Apfel oder ein Kotelett wirklich aus ökologischem Anbau stammen oder in Wahrheit aus konventionellem, lässt sich im Nachhinein technisch nicht messen.

Viertens kann Biokost die Welt gar nicht erobern. So lange die Leute weiter so viel Fleisch essen, wird es auch weiter Fliessbandschlachtungen geben, und so lange sie überhaupt so viel essen, kommt man ohne Pflanzenschutzchemie nicht aus, weil sonst die Ernten zu klein wären. Biobauern wissen im Voraus nie, wann sie wie viel liefern können -   wie würde der Kassierer an der Supermarktkasse das dem hungrigen Kunden erklären? Und Biobauern nutzen für den gleichen Ertrag viel mehr Platz als konventionelle Bauern. Bei einem Totalwechsel auf Bio bräuchte die deutsche Landwirtschaft ein Drittel mehr Fläche, also müssten Wälder abgeholzt und Naturschutzgebiete aufgelöst werden.

Bio versus konventionelle Landwirtschaft ist nicht Micky Maus versus Kater Karlo. Bio ist nicht grundsätzlich gut, und die konventionelle Landwirtschaft ist nicht grundsätzlich Böse - zumindest nicht mehr. Heute spritzen konventionelle Bauern längst nicht mehr so viel Chemie auf die Felder wie noch vor zehn Jahren, und auch vielen Tieren begegnet jetzt so etwas wie gute Pflege. "Bio hat die konventionelle Landwirtschaft revolutioniert", sagt Udo Pollmer, "Das ist das Beste, was man über Bio sagen kann!"



von Marc_Schuermann



Zusatz:

Böden von Bio-Bauern sind genauso belastet, wie von anderen
Bauern.

Wohin verschwinden die Abgase von Grossraumflugzeugen 
oder Düsenjägern?

Genau! Diese machen einen Bogen um die Biohöfe.

Die Pflanzen oder Ernten der Biohöfe nehmen die Giftstoffe,
welche im
Boden versickern, über ihre Wurzeln auf. Die
Tiere fressen dies und
schon sind die Giftstoffe im Kreislauf.


Hormone wurden immer wieder im Quellwasser nachgewiesen.
Diese sind hochgradig krebserregend!

Auch Tiere werden immer wieder geimpft!

Wer aus der Damenwelt nimmt keine Antibabypille?
Denn da sind diese nämlich auch enthalten!

Vielleicht bekommen Pillen auch noch den Hinweis:   Bio!

Wie auch immer:

Den Meisten ist das egal:   Hauptsache Bio!


      Für Jene, welche es immer noch nicht wahrhaben wollen:

           Bio-Kost laut Studie nicht gesünder!


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