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Worum geht es im Roman? Etwas Ähnliches hat man seinerzeit Leo Tolstoj bei Veröffentlichung seines Romans „Anna Karenina“ gefragt. „Um die Frage zu beantworten“, sagte Tolstoj, „müsste ich den ganzen Roman vorlesen“. Da ich nicht Leo Tolstoj bin, werde ich mir zwei Dinge erlauben. Erstens, nicht den ganzen Roman vorzulesen. Zweitens, vorab doch ein Paar Worte zu meiner Erzählung zu sagen.
Der Roman beruht in vielem auf Beobachtungen, die ich in Deutschland gemacht habe, dem Land, in dem ich mehrere Jahre lebte. Er schildert die europäische Geschichte in der gegenwärtigen Phase, in der sich Westeuropa von seiner Angst vor der „Gefahr aus dem Osten“ gelöst hat und allmählich dem amerikanischen Einfluss entwächst. Erzählt wird aus der Perspektive eines jungen Deutschen in einer Art modernem „Bildungsroman“, der die soziale, moralische, sexuelle und sonstige Entwicklung des Helden nachzeichnet.
In gewissem Sinne ist es auch der Roman eines Literaturwissenschaftlers. Der Roman betrachtet die Situation auf verschiedenen Ebenen - auf der historischen (Ost und West, Amerika und Europa, Deutschland und Frankreich im Zentrum eines neuen Europa), auf der ethischen (Glaube und Unglaube, Zulässigkeit von Kriegen, Manipulation des öffentlichen Bewusstseins) und auf der ästhetischen (Struktur künstlerischer Texte, Fiktion und Wirklichkeit). Mit anderen Worten: die Liste der aufgeworfenen Fragen ist hinreichend solide und so lang, dass damit jedes Interesse am Roman totgeschlagen werden würde. Um diesen Knoten zu lösen, habe ich in die Erzählung ein angemessenes Team eingebunden: einen russischen Fürsten, der im Exil in München geboren ist, einen amerikanischen Arzt und natürlich die Haupthelden des Romans – den Erzähler Christian Schmidt und das russische Mädchen Nastja, mit dem ihn eine enge, jedoch nicht unkomplizierte Beziehung verbindet.
Zum Schluss kann ich nur hinzufügen, in den anderthalb Jahren meines Lebens, in denen ich am Roman schrieb, war ich ein Deutscher – anders wäre es mir nicht gelungen. Ich muss gestehen: das war ein durchaus angenehmes Gefühl.
Jetzt werde ich mir erlauben, zwei zum Thema des Seminars passende
Passagen aus dem Roman vorzulesen. Die erste Szene beschreibt die
Auseinandersetzung zwischen dem Fürsten und dem Amerikaner. Sie
sprechen über den Sinn des Kosovo-Krieges (ein für den Roman wichtiges
Thema). Der zweite Ausschnitt beschreibt die Reise von Christian und
Nastja nach Paris.
Für die einfühlsame Übersetzung bin ich meiner Kollegin Frau Dr. Sabine Fahl (Berlin) sehr dankbar.
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Auszug "Der Raub der Europa", Teil 1
Auszug "Der Raub der Europa", Teil 2
Quelle: Hier