Geschichte besteht aus Geschichten

                  Die Rühler Lüter (Mundart) - Die Ruhlaer Läuter


In dem schönen Ort Ruhla waren einst das Messerschmiede-
handwerk zuhause und stand in grosser Blüte.

Ihr Können war weithin gerühmt.

Mit dem Niedergang des Handwerks in der Ruhl rief der
preussische König Friedrich der Grosse
mit der Errichtung eines

Eisenwerkes Ruhlaer Messerschmiede nach Eberswalde.
Eberswalde war nach dem 30jährigen Krieg durch Verwüstung
nur noch eine kleines Dörfchen
und erholte sich langsam von
den Schrecken.
So wanderten 1720 (Arnstädter Überlieferung)
und 1743 weitere Ruhlaer Messerschmiede nach
Eberswalde.


Auszug:

 
Schicklerstrasse: Historischer Bereich

König FRIEDRICH II. plante in einerVorstadt von Eberswalde

die Ansiedlung von Messerschmieden und die Errichtung einer

Messer- und Scherenschmiedefabrikation.

Ab 1743 wandern hier Messerschmiede und dazugehörige

Spezialhandwerker aus Ruhla, Schmalkalden, aber auch Solingen ein. 

Für sie wird ab 1751 durch den Eberswalder Zimmermeister 

GEORG SUCROW eine Straße planiert, ein Marktplatz

geschaffen und Doppelhäuser für je 2 Familien errichtet.


Quelle:   Hier

Als 1720 Ruhlaer Messerschmiede mit Fuhrwerken nach
Eberswalde auswanderten,
liefen einige Rühler Burschen
einen Teil der Strecke zu Fuss mit nach Arnstadt

(Länge der Strecke ca. 57 km).

In Arnstadt blieben die Burschen zurück und quartierten sich
in einer Schänke ein.
Um die Quartier und Zeche zu zahlen,
läuteten die Ruhlaer Burschen in Arnstadt
kräftig die Glocken.

Da sie ihren Job mehr als zufriedenstellend verrichtet hatten,
bekamen sie als Dank
ein Fass Bier mit auf den Rückweg nach
Ruhla.
Für diese Strecke, welche wechselnd bergauf und bergab
führte, brauchten die Burschen
drei Tage.

Da das volle  Fass mit der schweren Schubkarre eine ziemliche
Last war und den Burschen viel Schweiss abverlangte,
versuchten sie zwischendurch immer wieder, von dem
köstlichen
Gerstensaft zu probieren, damit die Last leichter
würde.


Diese Szene wurde zu einem Kirmesumzug in Ruhla 1969
Original nachgespielt.

Die Burschen liefen die volle Strecke. Dies blieb aber das einzige
Mal.


Das Ganze hatte Licht und Schatten.

Glanzlicht blieb die Leistung der handfesten Burschen. Der
Inhalt des Fasses hatte
sich  fast bis zum Boden geneigt.
Problem an diesem Tag des Umzuges, den ich ein Stück Weges

selbst miterlebt habe, war die Hitze und die erbarmungslose Sonne.
Immer wieder bekamen die Burschen auch unterwegs einen
Schnaps oder ein Glas Bier als
Wegzehrung gereicht. Das hatte
natürlich Folgen.


Der Schatten der sich dann auf diesen Teil des Kirmesumzuges
legte, war dass einige der Burschen kaum noch auf den Beinen
stehen konnten, aber trotzdem tapfer ihren Weg fortsetzten.

Als Folge beschloss man damals, diese Szene aus dem Programm
zu nehmen.


Dies war vielleicht folgerichtig, aber schade!

Ist es doch eine schöne Überlieferung aus der Rühler Geschichte!


                     Glocke zum Gedenken an diese Ereignis

                                     Erläuternde Inschrift


Bildquelle:   Hier

Auf einer dieser Glocken ist zu lesen:


Christlicher Glaube lebt von der Hoffnung der Auferstehung.
Davon kündet die Auferstehungssglocke.

Sie ist dem Evangelisten Lukas gewidmet.

Sein Symbol ist der Stier, der ebenfalls auf einem Kronenbügel

dargestellt ist.

Die Botschaft von der Auferstehung ist eine frohe Botschaft,

die Menschen auch in Trauer trösten will.

Dargestellt ist auf der Glocke die Auferstehung Jesu.

Daneben ist ein Mensch zu sehen, der in seiner Haltung zum Ausdruck

bringt, dass die Auferstehung unsere Lebenserfahrungen sprengt.

Zu Trauergottesdiensten erklingt die Auferstehungsglocke und

verkündet:

"Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden"

(Lukas 24,6.34).

Ob die Rühler Burschen eine dieser alten Glocken geläutet
haben ???


Die Rühler Lüt (Leute) sind in Schriften als arbeitsam,
ordentlich und von wohlgeformter Statur
überliefert
(Beschreibungen von 1867).
Aber sie wurden auch als
lebensfroh und manchmal schelmisch
bezeichnet.

Die Rühler Lüter (Läuter) haben ihre Kost und Logis in Arnstadt
mit Geläut
der eigenen Glocken bezahlt.  Darunter scheint auch
eine Wirtshaustochter gewesen zu sein.
Die Arnstädter Mädchen werden dies mit Wohlwollen und
Freude zur Kenntnis genommen haben.


Warum auch nicht: Die meisten Frauen haben schon immer gut
läutende Glocken
zu schätzen gewusst!

Vielleicht war ja auch der Wirt der Glückliche. Wer weiss...

Das ist nicht überliefert worden. (Der Autor).